Der Begriff „neurodivergent“ wird zunehmend in alltäglichen Gesprächen, sozialen Medien und sogar in wissenschaftlichen Forschungen verwendet. Dieses Wort wird normalerweise verwendet, um ein Gehirn zu beschreiben, das anders funktioniert als das, was als „normale“ Funktion bekannt ist. Zum Beispiel wird dieser Begriff häufig verwendet, um Personen mit Diagnosen wie Autismus oder ADHD zu beschreiben.
Uneinigkeit über die Definition von Begriffen
Es gibt jedoch ein inhärentes Problem mit diesem Begriff: Es ist schwierig, eine genaue Definition der „normalen“ Gehirnfunktion zu finden. Unsere neue Untersuchung zeigt, dass selbst Forscher sich nicht über die tatsächliche Bedeutung von „neurodivergent“ und die damit verbundenen klinischen Diagnosen einig sind. Wir haben 134 wissenschaftliche Studien untersucht, die mehr als 151.000 Teilnehmer umfassten, wobei der Schwerpunkt dieser Forschungen auf Personen lag, die als „neurodivergent“ oder „neurodivers“ identifiziert wurden.
Vielfalt der Diagnosen und deren Auswirkungen
Wir haben fast 20 verschiedene Diagnosen im Zusammenhang mit Neurodivergenz und Neurodiversität gefunden. Autismus und ADHD wurden häufiger erwähnt als andere Fälle, aber auch Störungen wie Lernschwierigkeiten und motorische Störungen waren zu beobachten. Bemerkenswert ist, dass ein Fünftel der Studien ganz auf die Nennung jeglicher Diagnosen verzichtete und ein Drittel der anderen lediglich die Teilnehmer aufforderte, sich als „neurodivergent“ zu identifizieren.
Die Verwendung des Begriffs „neurodivergent“ als umfassender Begriff kann in klinischen Forschungen und öffentlichen Politiken Probleme verursachen. Beispielsweise könnten Arbeitsrichtlinien, die auf „Neurodivergenz“ basieren, sehr breit und wenig hilfreich sein, wenn die spezifischen Bedürfnisse der Personen nicht berücksichtigt werden. Zudem besteht das Risiko einer falschen Etikettierung; wo einige Personen möglicherweise fälschlicherweise als „neurodivergent“ beschrieben werden, während ihre alltäglichen Erfahrungen mit Personen mit spezifischen Diagnosen sehr unterschiedlich sind.
Schließlich kann die Verwendung der Begriffe „neurodivergent“ und „neurodivers“ nützlich sein, um die Identität und gemeinsamen Erfahrungen von Personen zu beschreiben, jedoch funktionieren in wissenschaftlichen, gesundheitlichen und bildungsbezogenen Bereichen klare und anerkannte klinische Diagnosen besser als allgemeine Etiketten.
Mehr lesen: Geschlechtsspezifische Diskriminierung in Gerichtsverfahren und deren Folgen für Frauen in der Todeszelle · Neue Forschung klärt den Zusammenhang zwischen Alterung und Gedächtnisstörungen




